"Alle sollen eins sein..."
Ruf zur Ökumene

Ansgar Kaufmann und Annika Manegold (Vorsitzende Diözesankomitee)
Foto: Schäfer/DK
9. Vollversammlung des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn

10. Juni 2017

Ruf des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn zum Erinnerungsjahr 2017

„Alle sollen eins sein…"

Wir wenden uns als Diözesankomitee im Erzbistum Paderborn an alle Christinnen und Christen in unserer Region – mitten im Jahr 2017. 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation ist es uns ein Anliegen, unsere Wertschätzung gegenüber den Kirchen der Reformation auszudrücken. Zugleich rufen wir auf, uns -auch im Lichte der Geschichte- auf die Ursprünge und die Vergegenwärtigung unseres Glaubens an den Dreieinen Gott zu besinnen. Dabei wollen wir die 1517 begründeten Trennungen überwinden. Die Spaltung der christlichen Kirche in Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus ist menschengemacht. Das Gebet Jesu bleibt uns Herausforderung „Alle sollen eins sein…, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast." (Joh. 17,21) Nachdem wir in den letzten Jahren auf dem Weg zur Einheit viele Wege miteinander gegangen sind, möchten wir für uns wichtige Wegzeichen aufgreifen, verstärken und anmahnen.

  • Der Weg der 2001 für die christlichen Kirchen Europas vereinbarten „Charta Oecumenica" (1) muss ernsthaft weitergegangen werden. Sie beinhaltet etwa die Verpflichtung, „auf allen Ebenen kirchlichen Handelns gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens oder größere Zweckmäßigkeit dem entgegenstehen." (II Nr.4) In diesem Sinne müssen wir selbst, unsere Gemeinden u. Verbände begründen, wenn wir/sie nicht gemeinsam mit anderen christlichen Partnern handeln! Wir als Diözesankomitee wünschen insoweit noch mehr den Kontakt zur Evangelischen Kirche von Westfalen und zur Lippischen Landeskirche.

Wir rufen auf, in allen Bereichen kirchlichen Lebens gemeinsam zu

Handeln.

Die „Charta Oecumenica" (1) verpflichtet uns, „Selbstgenügsamkeit zu überwinden und Vorurteile zu beenden, die Begegnung miteinander zu suchen und füreinander da zu sein" (II Nr. 3). Wie oft aber denken wir immer noch jeweils nur innerhalb unserer Konfession bei den Zukunftsplanungen und Konzeptentwicklungen vor Ort. Wir wünschen, dass bei der Entwicklung von Pastoralplänen in den pastoralen Räumen und Pfarreien, aber auch in der

Arbeit der Caritas die Herausforderungen gemeinsam mit den evangelischen Gemeinden bedacht werden. Bei jeder Entscheidung muss mitbedacht werden, welche Folgen diese für die Ökumene vor Ort hat.

Wir rufen auf, die Zukunft der christlichen Kirche vor Ort gemeinsam zu planen.

In der Schule, im Sport, in der Nachbarschaft, in Verbänden und Vereinen… im gesamten Alltag wurden in den letzten Jahrzehnten die Trennungen der Konfessionen weitgehend überwunden. Die Konfession des/der Einzelnen und damit die Trennung nach der Reformation hat dort für viele ihre Bedeutung verloren. Diese Freude über den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus ist trotz der 500 Jahre getrennt gelebten Christentums oft stärker als der Schmerz der Trennung. Es ist wichtig, mit diesem Pfund der Gemeinsamkeit der Christinnen und Christen die aktuellen politischen Konflikte in unserer Gesellschaft zu überwinden und dabei der Zusage Jesu zu folgen „ihr werdet meine Zeugen sein."

Wir rufen auf, mit Gott im Rücken den Alltag und die Welt solidarisch zu gestalten.

Wir unterstreichen die aktuelle Feststellung der beiden Kirchenleitungen, dass die Frage nach der wechselseitigen Teilnahme an der Abendmahlsfeier bzw. Eucharistiefeier von hoher Bedeutung für das Glaubensleben ist. Wörtlich heißt es dort: „Viele Menschen, gerade solche in konfessionsverbindenden Ehen, leiden darunter, dass sie in der Regel nicht gemeinsam zum Tisch des Herrn treten dürfen, auch wenn dies pastoral manchmal anders gehandhabt wird." (2) Wir wünschen uns verstärkte Anstrengungen der Theologie und der Kirchenleitungen zu pastoralen Lösungen, dabei insbesondere die konfessionsverbindenden Ehen nicht allein zu lassen.

Wir rufen auf, konkrete Schritte zur Abendmahls- und

Eucharistiegemeinschaft zu gehen.

Mit den jährlich wechselnden Deutschen Katholikentagen und Evangelischen Kirchentagen feiern wir unseren Glauben und drücken zugleich unsere Verantwortung für die Gesellschaft und weltweit aus. Dieses bündelt sich in den ökumenischen Kirchentagen 2003 (Berlin) und 2010 (München) und dem nächsten 2021 (Frankfurt). Wir wünschen als Mitverantwortliche eine Verstärkung auf diesem Weg, der sich auch durch regionale/örtliche Kirchentage und in diesem Jahr durch das besondere Ökumenische Fest „Wie im Himmel, so auf Erden" am 16. September 2017 in Bochum zeigt.

Wir rufen auf, dieses Fest mitzufeiern und ökumenisches Christ-Sein zu leben.

Der Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ist seit langer Zeit ein gemeinsames Anliegen der ökumenischen Bewegung und derzeit die größte Herausforderung in der weltweiten Ökumene. Die Auslobung des Schöpfungspreises seit 1988, das Projekt „Faire Gemeinde" (bis 2016) sind Ausdruck des Einsatzes des Diözesankomitees. Mit Blick auf die aktuellen

Entwicklungen in der einen Welt wünschen wir uns dazu verstärkt gemeinsame Anstrengungen auch mit den christlichen Geschwisterkirchen in unserer Region. Die ökumenisch begangene Zeit der Schöpfung in jedem September bzw. der ökumenische Tag der Schöpfung am 1. Freitag im September (www. oekumene-ack.de) wird bislang nur in wenigen Gemeinden begangen und muss noch mehr Bedeutung bekommen.

Wir rufen auf, gemeinsam Gottes Schöpfung zu feiern, sich für ihren

Schutz stark zu machen und sich für Gerechtigkeit und Frieden

einzusetzen.

Beschluss:

Der Beschlussvorlage der Arbeitsgruppe Ökumene wird mit redaktionellen Veränderungen mit einer Enthaltung zugestimmt.

(1) „Charta Oecumenica - Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa", unterzeichnet von allen Kirchen in Europa in Straßburg 2001 und für Deutschland angenommen beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin am 30.5.2003.

(2) „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen. Ein gemeinsames Wort zum Jahr 2017". Evangelische Kirche in Deutschland und Deutsche Bischofskonferenz. Abschnitt 2.2.1.


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