Aktuelles
Bleibt bei uns!
Stellungnahme der Vorsitzenden des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn

Die Aufhebung der Exkommunikation von vier „Bischöfen“ der schismatischen Pius-Bruderschaft durch den Vatikan am 21. 01. 2009 und die darauf ausgelösten Reaktionen vieler Christinnen/Christen lässt uns heute erklären: 

 

 

 

 

l       Die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils sind Grundlage des Lebens der Kirche. Dazu gehören die Öffnung der Kirche zur Welt, die Akzeptanz der Religionsfreiheit, der Dialog mit den Juden als unseren älteren Schwestern und Brüdern, das klare Bekenntnis zur Ökumene und das Streben nach der Einheit der Christenheit sowie die Erneuerung der Liturgie. Auf dieser Basis geschieht heute weltweit lebendige Kirche, wovon auch in unserem Erzbistum Jung und Alt, Frauen und Männer, Gemeinden und Verbände täglich Zeugnis geben. Wir rufen unsere Mitchristinnen und -christen auf, sich Texte und Wirkung des Konzils noch bewusster zu machen, damit diese in der Kirche lebendig bleiben.

 

l        Da die Pius-Bruderschaft davon weit entfernt ist, diesen Weg mitzugehen, genießt sie keinerlei rechtliche Anerkennung in der katholischen Kirche. Auch haben ihre vier „Bischöfe“ weiterhin kein Amt in der Kirche. Wir sind froh darüber, dass dies die klare Position unserer Kirchenleitung ist und erwarten, dass auf diesem Hintergrund die Aufhebung der Exkommunikation zügig zurückgenommen wird. Mit Blick auf das Staats- und Kirchenverständnis der Pius-Brüder stellen wir uns die dringende Frage, ob der Verfassungsschutz diese Bruderschaft genauer beobachten müsse.

 

l        Besonders verwerflich ist die Leugnung der Shoah durch einen der betroffenen Herren der Pius-Bruderschaft, die er bis heute nicht zurückgenommen hat. Wir sind uns in der Kirche einig: Für Leugner des Holocaust ist kein Platz in der katholischen Kirche!

 

l        Die Aufhebung der Exkommunikation hat der Glaubwürdigkeit unserer Kircheschweren Schaden zugefügt. Sie führt zur „äußeren und inneren Entfremdung zahlreicher Gläubiger von der Kirche“ (so Bischof G. Fürst, Rottenburg-Stuttgart). „Das hätte nicht vorkommen dürfen. Da kann der Papst nur schlecht beraten gewesen sein“ (Bischof F. J. Bode, Osnabrück). „Da ist schlampig gearbeitet worden“ (Erzbischof Werner Thissen, Hamburg). Sie verursacht eine „erhebliche Störung des sensiblen jüdisch-christlichen Dialogs“ (Bischof G. Feige, Magdeburg). Wir unterstreichen diese Bewertungen der Bischöfe und danken auch unserem Erzbischof H. J. Becker für seine Erklärung, in der er die Unruhe und Enttäuschung der Christen aufgegriffen hat. Wir fordern schnelle personelle Konsequenzen im Kreis der Berater des Papstes und eine echte Kurienreform in Rom, damit zukünftig solche wichtigen Entscheidungen in Kommunikation und Kooperation vorbereitet und umgesetzt werden.

 

Katholikentag 2008 in Osnabrück

l        Weil allein Gott Herr der Kirche ist, bedauern wir ganz besonders, dass viele Menschen aus Ärger über die vorgenannten Schritte des Vatikans bzw. des Papstes im Moment die Kirche verlassen (wollen). Wir verstehen, dass sich viele vor den Kopf gestoßen fühlen und frustriert unserer Gemeinschaft den Rücken kehren wollen. Wir rufen diesen aber zu: Bleibt bei  uns! Wir alle sind das wandernde Gottesvolk und gerufen christlich zu leben, Gottes Botschaft weiterzusagen, die Kirche mitzugestalten – zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen! Das können wir nur zusammen und nicht getrennt!

 

Paderborn, 8.2.2009

 

Barbara Funke                                          Hans Georg Hunstig

Vorsitzende des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn


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