Aktuelles
Mit Wut und Abscheu...
Stellungnahme des Diözesankomitees zur Diskussion über sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen in der Kirche

Bei unserer Frühjahrsvollversammlung haben wir uns mit den bekannt gewordenen Fällen von sexuellem Missbrauch bzw. sexualisierter Gewalt gegenüber jungen Menschen, gerade auch in unserer Kirche, beschäftigt und sagen:


• Wut und Abscheu empfinden wir angesichts der Vorfälle, bei denen Kinder und Jugendliche Opfer von unverantwortlichen kirchlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wurden, die sie zum Spielball ihrer eigenen sexuellen Bedürfnisse gemacht haben. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, die teilweise schon Jahrzehnte unter diesen Vorgängen leiden und sie wie ein schweres Gepäck durch ihr Leben tragen. Wir wünschen ihnen sehr, dass sie durch die jetzt hergestellte Öffentlichkeit, durch vertrauliche Gespräche, durch mitfühlende Menschen, durch Therapien und soweit möglich eine Aufarbeitung des Geschehens diese schwere Last erleichtern können.
Für den Bereich unseres Erzbistums empfehlen wir Betroffenen, den Kontakt zum Beauftragten für Fälle des sexuellen Missbrauchs (Telefon 0 52 51/2 60 71 oder manfred.frigger@erzbistum-paderborn.de) oder anderen Beratungsinstitutionen zu suchen.


• Die Täter (Priester, Ordensleute, kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen) haben durch ihre oft lange zurückliegenden Handlungen gegenwärtig das Glaubenszeugnis unserer Kirche verdunkelt und eine schwere Vertrauenskrise ausgelöst. Sie haben in kirchlichen und schulischen Schutzräumen durch
Missbrauch ihrer Machtposition schwere Verbrechen begangen, die auch nach dem kirchlichen
Gesetzbuch eine schwere Straftat sind (Can 1395 II). Wir beklagen, dass es in der Vergangenheit oft
wichtiger war, durch Verheimlichung der Taten den Ruf der Kirche zu schützen, als sich vor die Opfer zu stellen. Dieses Verhalten kommt jetzt wie ein Bumerang zurück. Wir unterstützen die klare Haltung
unseres Erzbischofs Hans-Josef Becker und fordern, den jetzt beschrittenen Weg der lückenlosen
Aufklärung konsequent weiter zu gehen. Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit sind das Gebot der Stunde!


• Es ist verständlich, dass bei vielen Menschen das Vertrauen in die Kirche und ihre Einrichtungen schwer erschüttert ist. Ein Generalverdacht gegen alle, die verantwortungsvoll und pädagogisch wertvoll mit Kindern und Jugendlichen innerhalb der Kirche arbeiten, ist jedoch nicht berechtigt.
Gemeinden, Verbände, kirchliche Schulen, Beratungsstellen und andere Einrichtungen leisten eine
wertvolle pädagogische Arbeit, die geprägt ist von Achtung und Respekt gegenüber der Freiheit und
Würde jedes Einzelnen. Wir bestärken die Verantwortlichen in der katholischen Jugend- und
Bildungsarbeit, weiter dafür einzutreten, junge Menschen stark zu machen, deren Selbstbewusstsein und die Wertschätzung voreinander zu fördern, sie zum „Nein-Sagen“ zu ermuntern und die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Soweit Eltern Fragen haben, bitten wir diese, mit den
Verantwortlichen vor Ort darüber zu sprechen. Insbesondere ermutigen wir alle engagierten Laien auch zukünftig mit offenen Augen und Ohren diesen Weg zu begleiten, derartige Missstände deutlich zu benennen und sich in ihren Bemühungen nicht entmutigen zu lassen.


• Wir bedauern, dass offenbar die Zahl derjenigen steigt, die jetzt enttäuscht der Kirche den Rücken kehren (wollen). Wir heben jedoch hervor, dass wir alle nach dem Verständnis unserer Kirche „Volk Gottes“ sind und zum Gelingen des Lebens in der Kirche beitragen sollen. Im Zweiten Vatikanischen Konzil hat unsere Kirche eindeutig formuliert: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“. Wir hoffen, dass die Bedrängten, Verärgerten, Enttäuschten und Leidenden dieser Aussage wieder vertrauen werden können. Darum rufen wir allen zu: Lasst die Kirche nicht im Stich! Mischt euch ein! Diskutiert in den Gemeinden, Verbänden und mit uns über wichtige Fragen, die jetzt anstehen: die Sexualmoral in der Kirche, die stärkere Beteiligung von Frauen in der Priesteraus- und -fortbildung sowie bei der Besetzung der Anlaufstellen für Opfer, die Rolle des geweihten Priesters, die Zugangswege zum Priestertum, die Vorbeugung zukünftiger Taten, die Verjährung von Missbrauchstaten und die Entschädigung der Opfer. So finden wir gemeinsam den Weg in die Zukunft gemäß dem Leitwort des kommenden Ökumenischen Kirchentages „Damit ihr Hoffnung habt.“

 

Beschluss der Vollversammlung des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn am 20.3.2010 in Dortmund


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