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„Worte, die die Herzen entfachen“
Gastkommentar von Ansgar Kaufmann in der Kirchenzeitung "Der Dom"

So langsam halte ich ein „Tempolimit für den Papst" für nötig. Da kommt man mit seiner Freude über die vielen tollen Äußerungen ja gar nicht mehr mit. Papst Franziskus begeistert – auch mich.

Zu Beginn seines Schreibens „Evangelii Gaudium“ betont der Papst die Freude, die mit dem Glauben an Jesus Christus verbunden ist und die von Christen und ihrer Botschaft ausgehen sollte. Er selbst strahlt diese Freude aus und steckt weltweit Menschen damit an.

Dieser Papst will die Kirche grundlegend verändern. Seine Grundausrichtung formuliert er in großer Klarheit so: „Mir ist eine ‚verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Stra­ßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist“ (49).

Diese Perspektive prägt das gesamte Schreiben und daher fordert der Papst auch Reformen innerhalb der Kirche. Eine stärkere Beteiligung der Laien und der Frauen und auch ein Überdenken des eigenen Amtes setzt er genauso auf die Tagesordnung wie eine Stärkung der Ortskirchen und den Dialog. Es freut mich sehr, dass er damit zentrale Forderungen und Überlegungen des Dialogprozesses in der deutschen Kirche und der Perspektive 2014 im Erzbistum Paderborn stärkt. Beide Prozesse sollten durch die Worte des Papstes neuen Schwung bekommen und jetzt konkrete Reformen umsetzen.

Wenn Papst Franziskus davon spricht, dass die Sakramente „ein großzügiges Heilmittel und Nahrung für die Schwachen“ (47) seien, so ermutigt dies meines Erachtens auch zu einem anderen Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen.  

Das Schreiben atmet aber vor allem den Geist der Theologie der Befreiung. Papst Franziskus fordert uns alle auf, die herrschenden Strukturen von Gesellschaft und Wirtschaft zu hinterfragen und unser ganzes Tun in den Dienst der Armen und Ausgegrenzten zu stellen. Zu den Bedürftigen zählen für den Papst auch die Opfer der neuen Formen von Sklaverei, wie die Ausgebeuteten in der Arbeitswelt und der Prostitution und das ungeborene Leben.

Er redet uns allen ins Gewissen, wenn er sagt, dass es viele Arten von Mittäterschaft gebe und auch das bequeme Schweigen dazu zähle. Mahnend spricht er von der Gefahr einer „Spiritualität des Wohlbefindens“. Hier kommt zum Gefühl der Freude über die Worte des Papstes auch die Erkenntnis hinzu, dass er jedem Einzelnen drängende Fragen stellt und dass dieses Schreiben auch eine Herausforderung gerade für unsere reiche Kirche in einem reichen Land ist.

Nach Evangelii Gaudium wird unsere Kirche nicht mehr die gleiche sein können wie vorher. Lassen wir uns von den „Worten, die die Herzen entfachen“ anstecken und wirken wir mit missionarischer Freude und Mut an einer grundlegenden Evangelisierung mit, denn „wer etwas wagt, den enttäuscht der Herr nicht.“

 

Ansgar Kaufmann, Vorsitzender des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn    

 

 


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