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Realismus, Barmherzigkeit und vor allem Liebe - Jetzt ist das Volk Gottes wieder gefragt
Stellungnahme des Diözesankomitees Paderborn zur Papstbotschaft „Amoris laetitia“

Das umfangreiche Schreiben des Papstes „Amoris laetitia“ („Die Freude der Liebe“ ) vom 8. April, in dem Franziskus auf die Ergebnisse der Familiensynode Bezug nimmt, enthält wichtige Richtungsanzeigen für das Thema „Ehe und Familie“ in der katholischen Kirche.

Gleich zu Beginn betont Papst Franziskus, dass "man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte". Damit weist er deutlich die Erwartung an ein „Machtwort“ des Papstes zurück.

Grundsätzlich fordert Franziskus von der katholischen Kirche mehr Respekt vor der Gewissensentscheidung des Einzelnen in moralischen Fragen. Und er spricht immer wieder von der Verantwortung der Ortskirchen, der Priester und der gesamten Kirche für Ehe und Familie. Dies sehen wir als ein theologisch und kirchenpolitisch wichtiges Signal, weg von zentralistischen Regelungen hin zu einer Praxis der Barmherzigkeit vor Ort.

Zum Umgang mit Wiederverheiratet Geschiedenen finden sich im Text viele ermutigende Anmerkungen, die die Türen für einen barmherzigen Umgang auch in Bezug auf die Sakramente öffnen. So heißt es z.B. „Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können.“ Franziskus kritisiert auch eine „kalte Schreibtisch-Moral“ und fordert stattdessen eine „pastorale Unterscheidung voll barmherziger Liebe (...), die immer geneigt ist zu verstehen, zu verzeihen, zu begleiten, zu hoffen und vor allem einzugliedern.“ Der Papst stärkt damit alle diejenigen, die sich bereits in der Vergangenheit für die Integration wiederverheiratet Geschiedener eingesetzt haben.

Auch die Hinweise der deutschen Bischöfe zu diesem Punkt haben Eingang in das Schreiben gefunden. Sie hatten für den Blick auf die jeweilige Lebensgeschichte und Realität geworben. Nur so lasse sich gemeinsam mit den betroffenen Personen klären, ob und wie in ihrer Situation Schuld vorliege, die einem Empfang der Eucharistie entgegenstehe. Dabei sei die Frage einer Zulassung zu den Sakramenten der Versöhnung und der Kommunion immer im Kontext der Biographie eines Menschen und seiner Bemühungen um ein christliches Leben zu beantworten. Der Papst gibt die Verantwortung auch für die brisanten Fragen zurück an die Ortskirchen und ermöglicht so auch die Berücksichtigung unterschiedlicher gesellschaftlicher Situationen.

Enttäuschend sind für uns die Anmerkungen zur Homosexualität. Wir bedauern die Absage an eine neue Bewertung homosexueller Partnerschaften. Diese werden weiterhin nur als defizitär und nicht gottgewollt beschrieben. Diese Formulierung ist möglicherweise in der weltkirchlichen Perspektive des Schreibens begründet, steht aber im deutlichen Gegensatz zur Haltung der überwältigenden Zahl der Katholiken in Deutschland. Gleichwohl mahnt der Papst an, dass Menschen mit homosexueller Identität mit Respekt begegnet werden soll. Diskriminierung oder gar Gewalt lehnt er ausdrücklich ab, was ein wichtiger Hinweis für die afrikanischen Gesellschaften ist.

Wir verstehen das Schreiben als eine große Einladung an die Kirche vor Ort, uns noch mehr zu engagieren für Ehen und Familien, im Alltag unserer Gemeinden und in der gesellschaftlichen Debatte, in der Ehevorbereitung, in der Begleitung von Eheleuten, aber auch in der Zuwendung zu wiederverheiratet Geschiedenen und Alleinerziehenden.

Das Schreiben hat einen positiven Grundton. Es ist ein Loblied auf Ehe, Familie und Liebe. In einem zentralen Kapitel betont der Papst die Bedeutung der Liebe und findet auch einen Weg aus der Sprachlosigkeit kirchlicher Dokumente zum Thema Sexualität. Ausgehend von dem berühmten Hymnus im Korinther-Brief des Paulus stellt er die Sexualität überaus positiv dar.

Wenn der Heilige Vater ein ganzes Kapitel der "Erziehung der Kinder" widmet, bestärkt es unsere Anstrengungen in der ganz praktischen Unterstützung der Eltern in ihrem Erziehungsauftrag, sei es im Leben der Gemeinden, in Elternkursen, aber auch in Kita, Schule und Religionsunterricht, und in der Sexualerziehung.

Als Diözesankomitee laden wir auch in unserem Erzbistum alle dazu ein, das Schreiben des Papstes zu lesen und das Engagement für Ehe und Familie und für einen barmherzigen Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen fortzusetzen. Es steht der Kirche gut an, die „Freude der Liebe“ zu verbreiten und zu einem Markenzeichen des christlichen Glaubens zu machen.

Vorstand des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn:

Annika Manegold, Vorsitzende

Ansgar Kaufmann, Vorsitzender

Hans Jürgen Fenneker

Michael Hullermann

Nadine Mersch


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